Neuseeland als Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012

Buchmesse Bild vergrößern Witi Ihimaera, Juergen Boos and Tanea Heke (© Photo: courtesy of Alexander Heimann) Ein Muschelhorn ruft zur Versammlung. Es werden alte Sagen rezitiert. Maorigesänge erheben des Besuchers Sinne und fremde Tänze bannen ihn.

Der erste Satz klingt mehr nach Südsee, denn nach Hessen und mehr nach Sommer, denn nach Herbst. Dennoch trug sich die eben beschriebene Szene kürzlich in Mitten Frankfurts a.M. vor einer breiten Öffentlichkeit zu. Es sollte ein kleiner Vorgeschmack auf das geboten werden, was die Besucher der Frankfurter Buchmesse im nächsten Jahr erwartet – wenn Neuseeland Gastland der bedeutendsten Buchmesse weltweit sein wird.

Book faire Bild vergrößern (© Photo: courtesy of Alexander Heimann) Nachdem die diesbezüglichen Verträge bereits Anfang Juni 2011 im Rahmen des Neuseelandbesuchs von Außenminister Dr. Guido Westerwelle unterzeichnet wurden, stellte sich die Inselnation nun im Rahmen der diesjährigen Messe auch offiziell vor. Projektleiterin Tanea Heke versprach „ein wahres Fest für den Geist und die Sinne“. Das Land wolle nicht nur seine Literatur präsentieren, sondern auch Tanz und Musik, Weine und Nahrungsmittel. Etwa 240 Jahre nachdem Captain James Cook die Nord- und Südinsel von Aotearoa, wie die Maori ihr „Land der langen weißen Wolke“ nennen, umschifft und kartographiert hat und gerade 150 Jahre nach Erscheinen des ersten Romans in Neuseeland, soll nun der kulturelle Reichtum der Kiwis in aller Welt bekannt gemacht werden.

Neuseelands Auftritt wird dabei unter dem – im Hinblick auf den Zeitunterschied durchaus passenden – Motto „while you were sleeping/bevor es bei euch hell wird“ (oder auf Maori: „He moemoea he ohorere“) stehen.

Das zweisprachige Motto macht es denn auch schon deutlich: Neuseeland hat nicht nur eine Kultur vorzustellen, sondern zwei: Die der eingewanderten Bevölkerung und die der Maori. C.K. Stead, ein bekannter neuseeländischer Lyriker, erklärt die neuseeländische Literatur wie folgt:

"Wenn wir auf Englisch schreiben, schreiben wir in der ganzen Tradition der englischen Literatur. Die Literatur der Maori in Schriftform ist nur sehr kurz, aber umso länger ihre mündliche Überlieferung, ihre Geschichten, ihre Mythen." Für Neuseeländer, so Stead weiter, bedeute die eigene Literatur etwas identitätsstiftendes; sie helfe "uns zu definieren und uns zu erkennen."

Als erste weltweit bekannte Schriftstellerin aus Neuseeland gilt Katherine Mansfield, die jedoch mehr als die Hälfte ihres Lebens in Europa lebte. Andere neuseeländische Autoren, etwa Janet Frame oder Witi Ihimaera, sind weniger durch ihre Bücher, als vielmehr durch deren Verfilmungen („Ein Engel an meiner Tafel“, „Whalerider“) einem breiteren Publikum geläufig. All dies soll sich nun ändern. Nicht nur, dass Sir Peter Jackson („Herr der Ringe“) persönlich per Videobotschaft in Frankfurt für Neuseeland warb. Auch sonst wird alles daran gesetzt ein möglichst breitgefächertes Bild der neuseeländischen Literaturlandschaft zu bieten. So sollen allein bis zu Beginn der Messe im nächsten Jahr 100 Bücher neuseeländischer Autoren ins Deutsche übersetzt werden.

Zum Hintergrund: Insgesamt umfasst die Publishers Association of New Zealand rund 80 neuseeländische Verlage, die jährlich rund 550 Mio Euro Umsatz generieren. Die neuseeländische Autorenvereinigung des P.E.N. hat rund 1300 Mitglieder. In Neuseeland werden etwa 2000 Titel pro Jahr publiziert. Die Frankfurter Buchmesse ist die weltgrößte Bücherschau mit in diesem Jahr 283.000 Besuchern. In 2011 zeigten 7384 Anbieter aus 106 Ländern ihre Produkte, über die mehr als 7.000 Journalisten berichteten. Die Messe findet jedes Jahr in der zweiten Oktoberwoche für fünf Tage statt.